Agit!

"Was wir nicht zustande gebracht haben, müssen wir überliefern."(Ernst Bloch)

Samstag, 30. Januar 2016

Facebook-Post eines Arztes aus einem Erstaufnahmelager für Flüchtlinge

Liebe Leute,

nach nun fast vier Wochen im Erstaufnahmelager, finde ich endlich mal die Zeit ein paar Zeilen zur wirklichen Situation vor Ort zu schreiben und diese in Absprache mit der Camp-Leitung hier zu veröffentlichen.

In der aufgeheizten Stimmung zwischen allen politischen Lagern können ein paar Fakten aus erster Hand nicht schaden. Ich habe mir vorgenommen, diesen Bericht möglichst neutral zu verfassen. Das ist mir allerdings aufgrund der erschütternden Realität nicht g...elungen und am Ende ist doch die Polemik und meine eigene Meinung mit mir durchgegangen…aber das wird man ja wohl noch sagen dürfen…


Ich bin zur Zeit als Arzt für die medizinische Erstversorgung der neu in Deutschland ankommenden Flüchtlinge zuständig. Diese findet nahezu vor jedem weiteren Schritt statt. Also vor der Registrierung (inkl. Fingerabdrücke und Foto!), der Versorgung mit gespendeter (Marken-)Kleidung, der Möglichkeit sich zu duschen, etwas zu essen oder der Verteilung auf das restliche Bundesgebiet etc. Das heißt im Klartext, dass man hier einen Eindruck in Reinform über die tatsächliche Situation der ankommenden Flüchtlinge erhält.

Dieser Eindruck ist pur und absolut ungefiltert. Ich kann Euch versichern, dass es absolut unmöglich ist, z.B. einen Fuß mit Erfrierungen zu versorgen, der über 500km in kaputten Schuhen, mit nassen Strümpfen durch den Winter marschiert ist und dabei durch eine „naive rosarote Gutmenschbrille“
zu schauen. Oder einen 4 Wochen alten Säugling in feuchter Kleidung mit Lungenentzündung zu behandeln, der zusammen mit einem Einjährigen und einer Vierjährigen, ganz alleine von der Mutter über das Mittelmeer, über Griechenland bis hier her geschafft wurde und sich dann den Vorwurf der Weltfremdheit anzuhören. Das hier ist die Welt! Und das hier ist sehr real und nirgends „rosarot“! Der Vater der 3 Kinder kam übrigens in Syrien ums Leben.

Diese Menschen kommen in einem absolut desolaten und erbarmungswürdigen Zustand hier an. Sicher wird es manchen erstaunen, dass es sich nicht zu 90% um junge, gesunde Männer handelt. Das hat das Wanken der Nachzugsreglung erfolgreich zum Schlechteren gewendet. Ich sehe pro Schicht etwa 300-500 Flüchtlinge. Mindestens 40% davon sind KINDER! Es gibt Familien, es gibt Alte und ja – es gibt auch junge Männer. Warum auch nicht? Allen gemein ist, dass sie absolut entkräftet und fertig sind. Ich habe bisher nie so viel Elend und Verzweiflung auf einem Haufen gesehen.

Neulich haben wir zum Beispiel eine Frau versorgt, deren Beine komplett verbrannt waren. Keine Ahnung wie sie es überhaupt bis zu uns geschafft hat. Wir haben allein eine halbe Stunde gebraucht, um die festgeklebten, schmutzigen und stinkenden Verbände von den vereiterten Wunden zu lösen. Da war aber kein Klagen und da war keine Anspruchshaltung. Diese Frau hat Dankbarkeit ausgestrahlt, weil sie endlich in Sicherheit ist und sich jemand um sie kümmert. Selbstverständlich ist sie nur ein Beispiel. Und selbstverständlich lassen sich mit Sicherheit auch Arschlöcher unter den Flüchtenden finden – wovon wir selbstverständlich schon genug unter den Eingeborenen haben.
Übrigens haben die Flüchtenden natürlich ihre Smartphones dabei. „Die“ haben vorher nicht in der Steinzeit gelebt und sind aus irgendwelchen Buschhütten und Höhlen gekrochen. Und vielen ist es zunächst wichtiger ihre Handys aufzuladen, als etwas zu Essen zu bekommen. Und dreimal dürft ihr raten warum? Was habe ich als erstes gemacht, als ich, bequem mit meinem Auto, trotz Glatteis, sicher im 500 km von zu Hause entfernten Camp angekommen bin?
Dass sie ein Lebenszeichen an die Lieben schicken zu wollen, wird diesen
Menschen allerdings regelhaft zum Vorwurf gemacht und als Beleg für die fehlende Hilfsbedürftigkeit gesehen. Mit Verlaub - das ist weltfremd und obendrein arschig! Als würde es eine Pflicht geben, sich vor einer Flucht in Lumpen zu hüllen und bloß alle Wertgegenstände zurück zu lassen – inklusive der einzigen Möglichkeit zur Kontaktaufnahme zu den Angehörigen in Form eines Telefons.

In der aktuellen Situation müssen wir uns verdeutlichen, welchen Selbstanspruch wir an unsere Kultur haben. Natürlich könnten wir die Grenzen dicht machen und so tun als wäre Merkel an allem Elend dieser Welt schuld. Aber glaubt denn wirklich irgendwer damit wäre das Problem gelöst? Ich höre hier im Lager durchgehend weinende Kinder. Und ich weiß, dass sie dann halt vor unseren Grenzen weinen würden. Würden wir damit unsere Zivilisation retten? Nur weil wir es dann nicht mehr sehen und im Fernsehen einfach bequem umschalten können? Es zeugt schon von einer bemerkenswerten Moralvorstellung, wenn man auf fb das Elend eines gequälten Hundes anprangert und gleichzeitig sehenden Auges all diese Menschen vor unseren Grenzen krepieren lassen will – und wenn es nur durch Unterlassung ist. Ob das ein schützenswertes Abendland ist?

Natürlich müssen Lösungen vor Ort gefunden werden. Und natürlich können wir nicht die ganze Welt aufnehmen. Aber löst man einen Konflikt auf der Welt indem man gegen Flüchtlinge wettert und dumpf der Kanzlerin Verrat am Volk vorwirft? Sieht so die Rettung der Welt aus? Wo bleiben die wirklich konstruktiven Vorschläge und Initiativen der ach so besorgten Bürger?

Durch ihr „wir schaffen das“ hatte ich zum ersten Mal so was wie Respekt und Anerkennung für die Kanzlerin übrig. Weil sie ohne mit der Wimper zu zucken ihre politische Karriere riskiert hat, um eben jene Menschen nicht vor unseren Grenzen krepieren zu lassen und sie die enorme Herausforderung angenommen hat anstatt ihr übliches Teflonspiel des Aussitzens zu treiben. Und nie hat jemand behauptet, dass es eine leichte Herausforderung wäre. Und sind wir doch mal ehrlich: Wer von all den Hetzern ist denn WIRKLICH so arm, dass er befürchten muss durch die Flüchtlinge plötzlich weniger  vom deutschen Wohlstandskuchen abzubekommen? Ist bisher WIRKLICH jemand deshalb ärmer geworden? Ist WIRKLICH jemand deshalb aus seiner Wohnung geflogen? Ist WIRKLICH jemand von einem bösen Asylanten aufgegessen worden? Und damit meine ich nicht denjenigen, der einen kennt, dessen Großcousine einen Nachbarn hat blabla.

Und Nein! Ich möchte nicht „so was“ wie in Köln gutheißen und bin sehr wohl für Sicherheit und Ordnung und eine härtere Bestrafung bei Gewaltdelikten jeglicher Couleur. Übrigens war ich schon bekennender Feminist als der Großteil der jetzigen „Frauenrechtler“ noch fröhlich Tittensprüche gemacht haben.

Was sich für Deutschland in erster Linie durch den Flüchtlingsstrom geändert hat, ist die Tatsache, dass wir zum ersten Mal eins zu eins mitbekommen, was in den armen Ländern dieser Welt absolut üblich ist: Wir nehmen Flüchtlinge im großen Maßstab auf und beweisen dadurch Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und sind bereit wenigstens einen kleinen Teil der Zeche zu zahlen, die die westliche Welt mit ihrer Außen- und Wirtschaftspolitik arrogant hat anschreiben lassen.

Damit sage ich ausdrücklich nicht, dass ruhig jeder hier her kommen soll und machen kann was er will. Natürlich fordere ich Integrationswille und Verfassungstreue ein – aber auch und vor allem von meinen eigenen Landsleuten! Schließlich hätten die schon seit ihrer Geburt die Chance gehabt humanistische Werte zu lernen. Und nicht selten profitieren sie schon viel länger als die Flüchtlinge von unserem Sozialstaat…

Klar muss sich auch „der Islam“ bewegen, möglicherweise eine Reformation durchlaufen, um unseren Lebensstil und die Regeln unseres Zusammenlebens bedingungslos in unserem Land zu akzeptieren. Aber sowas passiert doch nicht indem man alle Flüchtlinge nach Möglichkeit in Ghettos sperrt und die Türen zur gesellschaftlichen Teilhabe tunlichst geschlossen hält. Ein Blick in die Pariser Vororte sollte eigentlich ausreichen um zu erkennen wohin das dann führt. Und ja – dann werden all die Hetzer recht behalten.

Natürlich ist es verlogen, die radikalen Formen des Islam zu tadeln und zu bekämpfen, während man gleichzeitig z.B. mit den Saudis fröhlich Geschäfte macht ohne irgend eine Form des politischen Drucks aufzubauen. Ist ja nicht so, dass es nicht saudisches Geld wäre, welches weltweit Hassprediger mit extremsten Auslegungen des Islam finanziert.

Unabhängig von der moralischen Verpflichtung Menschen in Not zu helfen, verstehe ich einfach nicht, warum die große Chance dieser Flüchtlingswelle nicht erkannt wird. Noch vor wenigen Monaten war die größte Gefahr für unser christliches Abendland das Fortpflanzungsverhalten der Deutschen. In 30 Jahren ist unser Sozialstaat und unser Rentensystem am Ende. Deutschland überaltert. 2060 wird jeder dritte Deutsche über 65 Jahre alt sein. Jeder Zweite ist dann mindestens 51. Aktuell haben wir 49 Millionen Erwerbstätige im Alter zwischen 20 und 64. Im Jahr 2060 werden es nach aktueller Entwicklung nur noch 34 Millionen sein. Diese 34 Millionen müssen dann nicht nur unsere Rente zahlen, sie müssen auch unser gesamtes Gemeinwesen am Laufen halten, dafür sorgen, dass wir satt sind und es warm haben und uns im Zweifel auch den Hintern abwischen und uns das Erbrochene aus dem Gesicht waschen. Außerdem müssen sie natürlich weiterhin innovativ und produktiv sein, damit die Wirtschaftsmacht Deutschland auf dem Parkett des internationalen Markts nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und sich unsere Kinder und Enkel den Luxus der Altenbetreuung überhaupt leisten können, bei immer mehr zu stopfenden Greisenmäulern. Wer glaubt, er könne dem Dilemma 2060 durch früheres Versterben entgehen muss leider enttäuscht werden: Schon 2035 werden wir fast 8 Millionen Menschen weniger im Erwerbsalter haben. Ich möchte an dieser Stelle daran erinnern, dass wir schon heute – also mit 8 Millionen Erwerbstätigen mehr – über knappe Rentenkassen und ein späteres Renteneintrittsalter diskutieren müssen und man ohne private Vorsorge real von Altersarmut bedroht ist.

Und genau jetzt hat ein weltweiter Exodus begonnen, der ohne jedes Anwerben den wichtigsten Zukunftsrohstoff überhaupt zu hunderttausenden in unser Land schwemmt: Menschen im erwerbs- und zeugungsfähigen Alter.

Natürlich bin ich kein Depp und ich weiß genau, dass wir es hier nicht mit einer Schwemme an Fachkräften zu tun haben (wobei es unter den Flüchtenden sehr wohl auch Fachkräfte gibt. Ich habe schon so einige im Lager getroffen.) und es riesige kulturelle Unterschiede gibt (die sich übrigens auch immer mehr in unserem eigenen Volk kristallisieren). Deshalb schrieb ich auch ROHstoff.
Jetzt können wir folgendes tun: Entweder wir kasernieren und isolieren die Neuankömmlinge, zeigen ihnen die kalte Schulter, fördern die Ghettobildung und versuchen sie schnell wieder abzuschieben und weg zu jagen, oder aber wir fangen an in etwas größeren zeitlichen Dimensionen zu denken.
Fast jeder von uns hatte doch in der Grundschule irgend ein asiatisches Kind sitzen – oder? Diese Kinder waren die ersten in Deutschland geborenen Nachkommen der mit offenen Armen importierten asiatischen Krankenschwestern im großen Pflegenotstand der 60er und 70er Jahre. Enorm viele dieser Kinder sind heute staatstragende DEUTSCHE: Politiker, Richter und Anwälte, Pfleger, Ingenieure, Geschäftsleute, Lehrer und Professoren und auch einige meiner ärztlichen Kollegen gehören dazu.
Das war funktionierende Integration durch frühe Förderung und Bildung. Investition in die Zukunft. Und genau diesen Schritt jetzt zu wiederholen wäre doch eine riesen Chance um diesen Rohstoff – die Kinder der jetzigen  Zuwanderer - zu nutzen. Wenn wir uns das leisten wollen. Oder geht es am Ende etwa doch nur um Neid und eine reine Blutlinie?

Für den Neid möchte ich dann nochmal an den erquicklichen Sachverhalt erinnern, dass 62 Personen so viel besitzen wie die Hälfte der Erdbevölkerung. Ich warte noch immer auf den Aufschrei der Empörung und den Futterneid diesbezüglich, den man ja regelhaft gegen die ärmsten der Armen kultiviert.

Vielleicht noch ein kleiner „Gimmick“ zum Abschluss:
Letzte Nacht hatten wir unter vielen, vielen anderen Einzelschicksalen eine junge Schwangere im Lager, die keine Kindsbewegungen mehr gespürt hat. Sie sorgte sich, dass durch das lange Treiben im Mittelmeer – nachdem der Schleuserkutter gekentert war – nun auch ihr letztes Kind gestorben sei. Ihre zwei anderen Kinder sind bereits auf der Flucht im Meer ertrunken weil sie keine Kraft mehr hatte….So eine Sozialschmarotzerin aber auch!
Menschen leiden und sterben. Jetzt. Und wir können das verhindern. Wir schaffen das.

P.S.: Ich habe nirgendwo das Wort „Nazi“ benutzt. Wer sich trotzdem als ein solcher hingestellt fühlen möchte – bitte sehr: Du Nazi!

- Raphaele Lindemann, 28.01.2016

Donnerstag, 21. Januar 2016

"Der Kongo ist die Konsequenz von Europa"

Nach »Hate Radio« und »Das Kongo Tribunal« beschäftigt sich der Schweizer Regisseur und Autor Milo Rau in »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« erneut mit den politischen Katastrophen Zentralafrikas.
- Interview: Jakob Hayner, Jungle World, 21.01.2016

Ihr neues Stück »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehres« deutet schon im Titel auf einen Widerspruch zwischen einem individuellen Gefühl und der Gewalt. Die Kritik der Partikularität des Mitleids gehört zur europäischen Aufklärung, Kant zum Beispiel kritisierte es als eine zwar »gutartige Leidenschaft«, die jedoch »schwach und jederzeit blind« sei. Ist Ihr Stück eine Kritik des Mitleids in aufklärerischer Absicht?

Meine Kritik des Mitleids ist, dass es trotz medialer Runduminformation ein Gefühl des engen Radius geblieben ist. Zudem bleibt es meist selbstbezüglich, ja narzisstisch und führt nicht, in einem zweiten Schritt, zu Solidarität und einer politischen Forderung. Mitleid versucht Mängel individuell auszugleichen, die systemische Ursachen haben – von untätigen Regierungen bis zu den ökonomischen Bedingungen. Gleichzeitig ist das Stück auch eine Untersuchung des Mitleids als theatralem Vorgang. Wie funktioniert Identifikation? Was heißt das Ausstellen von Leid? Wer sieht wen leiden? Das Stück ist gewissermassen ein Essay in Form eines Monologs, es geht auch um Grundbegriffe des Theaters. Was heißt es, Zeugen auf der Bühne zu zeigen? Was heißt Stellvertretung auf der Bühne und was Katharsis?

Die Tragik der Geschichte durchbrechen: Consolate Sipérius und Ursina Lardi in »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs«
Die Tragik der Geschichte durchbrechen: Consolate Sipérius und Ursina Lardi in »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« (Foto: Daniel Seiffert)

Der Realismus war für das 20. Jahrhundert der entscheidende Begriff, um Theater und Politik zu vermitteln. Der Dramaturg Bernd Stegemann hat kürzlich nach »Kritik des Theaters« sein neues Buch »Lob des Realismus« veröffentlicht, in der Zeitschrift Theater der Zeit wurde über einen neuen Realismus diskutiert. Sehen Sie »Mitleid« auch als einen Beitrag zu dieser Debatte?

Das Stück steht mitten in der Diskussion um den Realismus. In dieser Debatte wird ein Widerspruch aufgemacht zwischen authentisch-dokumentarischem Theater, in dem Zeugen auf der Bühne sie selbst sind, und Schauspielertheater, in dem eine fiktionale Figur durch Mittel des Schauspiels – ob postmoderner Trash, Brecht oder Stanislawski – etwas zeigt. Dieser Widerspruch hat auch zu tun mit der Opposition von Stadttheatern mit Ensemble und freien Produktionsweisen, die häufig mit Performern, mit Laien arbeiten. Ich versuche mit »Mitleid«, diesen Widerspruch in einen dialektischen Zusammenhang zu bringen. Es gibt zwei Schauspielerinnen auf der Bühne. Die eine, Consolate Sipérius, ist eine Zeugin des Genozids an den Hutu in Burundi 1993, aber sie ist auch Schauspielerin. Die andere Schauspielerin, Ursina Lardi, steigt mit einer Reflexion über Theater ein und erzählt anschließend eine Geschichte, die aber im Sinn der Authen­tizität nicht oder nur teilweise ihre eigene ist. Und hier wird es verwickelt, die Unterscheidung gerät in Bewegung: Denn auch die vorgebliche Zeugin zeigt etwas, das nicht mit ihrer Person identisch ist. Denn ihr ist etwas widerfahren, aber deswegen ist es ihr nicht auf alle Zeit eingebrannt, sie kann sich zu ihrer Geschichte verhalten. Es gibt eine Freiheit, mit dem je eigenen individuellen Schicksal um­zugehen im Sinne einer existentiellen Psychoanalyse. Zum Schluss macht Sipérius etwas sehr Wichtiges: Sie durchbricht die Kette der Rache. Sie weigert sich gewissermassen, mit dem Maschinengewehr in das Publikum zu feuern. Es gibt, so die Botschaft, neben der tragischen Logik des Leidens auch eine der Solidarität, des Vitalen.

Das Stück beschäftigt sich mit Burundi, ­Ruanda und dem Kongo. Auch in Ihren Stücken »Hate Radio« und »Das Kongo-Tribunal« waren die politischen Katastrophen Zentralafrikas Thema . Was macht das besondere Interesse an dem Gegenstand aus?

Einerseits beschäftige ich mich seit über zehn Jahren mit Zentralafrika. Anderseits ist Zentralafrika für mich auch eine Metapher für die Welt, ein metaphorischer Ort der Weltwirtschaft. Ich kann den Zusammenbruch von Staaten dort beobachten, Massaker, Zwangsumsiedlungen und Flucht – und das meistens aus ökonomischen Gründen. Die Gegend um Bukavu und Goma ist extrem reich an Mineralien, gleichzeitig sterben Menschen an Folgen der Vertreibung, der Unterernährung: »Du stirbst an Hunger, um in Diamanten begraben zu werden.« Marx sagte ja, dass man die Wahrheit über die bürgerliche Gesellschaft in den Kolonien sehen könne. Diese Widersprüche liegen im Ostkongo nackt zutage, und diese Nacktheit interessiert mich. Es gibt symbolische Orte. Ein Freund von mir, David van Reybrouck, hat das Buch »Kongo. Eine Geschichte« geschrieben, in dem es heißt, der Kongo sei kein Blick in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Das interessiert mich als negativ utopische oder atopische Landschaft, als Landschaft der Apokalypse. Und gleichzeitig ist das eine unglaublich reiche Natur, man kann beispielsweise viermal im Jahr säen. Das Problem der Kongolesen war aber, dass sie immer das hatten, was die Weltwirtschaft brauchte: Nach den Sklaven war es der Kautschuk, dann Uran, heute sind es Koltan oder Zinn. Der Kongo ist eine Parallelgeschichte zu Europa, die Konsequenz von Europa.

(Foto: Daniel Seiffert)

Sie fordern statt partieller Verbesserungen vor allem eine Systemkritik, die den Fokus auf die Unterdrückung der armen durch die reichen Länder legt. Während derzeit heftig über Grenzregime debattiert wird, fehlt es an einer grundlegenden Kritik. Die Menschen sind zwar durch Grenzen getrennt, aber vor allem von den Produktionsmitteln, die zur Errichtung des guten Lebens nötig sind.

Fakt ist, dass viele Regionen nicht an den Vorzügen der Industrialisierung teilhaben, obwohl sie industrialisiert werden. Die Wirtschaft ist global, überschreitet alle Grenzen, aber die Grenzen der Nationalstaaten verhindern für die Produzenten, was die Waren- und Finanzströme die ganze Zeit tun: den freien Verkehr. Man muss gar nicht in den Kongo gehen, um das zu beobachten. Zu jedem Imperium gehört die Peripherie, die sich natürlich auch in Europa bildet, die sich notwendig bilden muss: der Nahe Osten, Griechenland. Das System lebt vom Gegensatz zwischen Zentrum und Peripherie. Auch das römische Imperium hatte völlig chaotische Gebiete, Grenzgebiete, die allerdings für die Existenz des Imperiums zentral waren.

Der Hauptmonolog der Entwicklungshelferin in ihrem Stück erinnert an eines der berühmtesten Bücher über den Kongo, Joseph Conrads »Herz der Finsternis«, in dem die Suche nach dem Ursprung der Gewalt mit der Fahrt auf dem gleichnamigen Fluss Kongo flussaufwärts parallelisiert wird.

Conrad erzählt eine Geschichte, er universalisiert sie aber außerdem, so dass sie beispielsweise in dem Film »Apocalypse Now« auch für Vietnam funktioniert. Es ist interessant, wie konkret man sein muss, um universal zu sein. Alles in meinem Stück ist verbürgt, die Daten und Fakten stimmen. Aber gleichzeitig ist es ein Stück über die Sinnlosigkeit von Gewalt und die Sinnlosigkeit von Rache. Das klassische antike Drama handelt auch von einer zirkulären Gewalt, die durch das Eingreifen eines Chores oder einer Gottheit überwunden wird – beispielsweise wie in der »Orestie« das Recht humanisiert wird. Die Tragik der Geschichte zu durchbrechen ist das Thema des Dramas und auch von »Mitleid«.

Eine klassische Figur der Theatergeschichte, die in »Mitleid« vorkommt, ist Ödipus. Ödipus steht für den Prozess der schmerzhaften Selbsterkenntnis, aber auch für Schuld und Verdrängung. Inwieweit sehen Sie eine Beziehung zu dem Stoff des Stückes?

Der westliche Entwicklungshelfer ist für mich die Figur des Ödipus. Es gibt einen Verdrängungszusammenhang in Bezug auf Zentralafrika. Ödipus erkennt zum Ende die Schuld, die er auf sich geladen hat. Er hat es auch am Anfang schon gewusst, in der ersten Szene des »König Ödipus« bekommt er es mitgeteilt, recht unumwunden. Aber bis er versteht, was er ja eigentlich schon weiß, braucht es den Durchgang durch das Drama. Kunst kann Unbewusstes und Nichtpräsentes zeigen und das ist die Katharsis, das Erkennen des schon Gewussten: Eben die tatsächliche Herstellung von Mitleid, von Solidarität, die sich trotz ja eigentlich umfassend zugänglicher Information zu den Grundlagen unserer Reichtums nicht einstellt.

Wie steht Ihr Stück zur Erkenntnis von Welt und zu möglichen Handlungen, zur Politik?

»Mitleid« versucht zu erkunden, was individuelles Bewusstsein von einer Welt des Leidens bedeutet. Kunst bietet keine Handlungsan­leitungen, sie kann aber tragische Blindheit und damit hypothetische Möglichkeiten aufzeigen. Es gibt Millionen Tote im Kongo. Aber es gab nur zwei Prozesse in Den Haag, zwei für 1 000 Massenverbrechen. Die Absenz von Recht und Strafe ist gefährlich, das zerstört ­zivilisatorische Grundlagen. Im Programmheft haben wir einen Text von Oscar Wilde, einem ausgesprochenen Verächter des Mitleids, abgedruckt: »Die Seele des Menschen im Sozialismus«. Wilde sagt dort, dass wir eine Welt, in der Mitleid notwendig ist, überwinden müssen. Er nennt das Sozialismus.

»Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« von Milo Rau ist noch am 29., 30. und 31. Januar an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin zu sehen.

Samstag, 9. Januar 2016

Gewalt ist immer auch Gewalt gegen Frauen

Vom Vorplatz des Kölner Hauptbahnhofs einmal um die Welt und wieder zurück. Vor der Globalisierung kann man sich nicht schützen. Man muss mit ihren Folgen fertig werden.
- von Arno Widmann, Berliner Zeitung, 09./10.01.2016

Was sich in der Silvesternacht am Kölner und am Hamburger Hauptbahnhof ereignete, ist in Deutschland etwas Neues. Nicht neu ist, dass an Hauptbahnhöfen Frauen beraubt und begrapscht werden. Wer vor fünfzig Jahren in Westdeutschland aufwuchs, der weiß, dass die Bahnhofsvorplätze damals vor allem abends an den Wochenenden beliebte Treffpunkte jugendlicher Ausländer waren, die sich einen Spaß daraus machten, sich Mädchen und jungen Frauen in den Weg zu stellen und einen „Tribut“ zu fordern. Wenn zum Beispiel vor dem Hauptbahnhof in Frankfurt am Main fünfzig, sechzig solcher Jugendlicher standen, dann wurden davon ein halbes bis ein Dutzend übergriffig. Das wurde immer wieder diskutiert. Polizei schritt ein, dann sah sie wieder weg. Irgendwann war nicht mehr die Rede davon.

Völlig neu ist aber das, was jetzt in Köln passiert sein soll: Um die tausend junge Männer sollen den Hauptbahnhof besetzt und ihn für ein paar Stunden zu ihrem eigenen Territorium gemacht haben. Sie beschossen andere mit Raketen und Böllern, schlugen um sich, stahlen und attackierten gezielt Frauen. 120 Strafanzeigen liegen inzwischen vor. Die Behörden gehen davon aus, dass es sich um eine gezielte, organisierte Aktion handelt. in die wohl mehrere Hundert Menschen verwickelt waren. Das ist eine neue Dimension. In Köln. Anderswo auf der Welt kommt es ständig vor. Wie immer bei solchen Aktionen wäre es ganz falsch, seine Aufmerksamkeit ganz auf Opfer und Täter zu konzentrieren. Ohne die Zuschauer, die Zuschauer bleiben, kann eine solche Situation nicht entstehen. Besonders schwerwiegend ist es, wenn Polizei zwar vor Ort ist, aber nicht einschreitet, wenn sie im Gegenteil einen Tag später erklärt, man habe das Ausmaß der Gewalttätigkeit nicht mitbekommen.

Mit den Waren wandern Menschen und Lebensweisen 

Wenn nicht auch diese Seite der Entwicklung genauestens untersucht wird, wenn zum Beispiel nicht danach gefragt wird, warum die Videoüberwachung des Bahnhofs nicht zu einem schnelleren, massiveren, effektiveren Einsatz der Polizei führte, dann wissen wir, dass etwas prinzipiell falschläuft in unseren Sicherheitsbehörden. Es ist wichtig, sehr genau aufzuklären, was in der Silvesternacht passiert ist. Nicht nur um der Betroffenen dieser Nacht willen, sondern auch, um uns klar zu werden über die Situation, in der wir leben.

Wir sprechen über Diskriminierung am Arbeitsplatz, über Frauenquote, wir haben gemerkt, wie schwierig es war und ist, gegen häusliche Gewalt öffentlich vorzugehen. Mit der Möglichkeit eines organisierten öffentlichen Überfalls auf Frauen mitten in einer deutschen Großstadt haben wir nicht gerechnet. Nun wissen wir, dass wir auch, was die Diskriminierung von Frauen angeht, globalisiert werden. Mit den Waren wandern die Menschen, mit ihnen ihre Ideen und Lebensweisen und -vorstellungen.

In seinem 2014 erschienenen Buch „A Call to Action – Women, Religion, Violence and Power“ schrieb der Ex-Präsident der USA Jimmy Carter: „Wirtschaftliche Ungleichheit ist zwar ein großes und ständig wachsendes Problem, ich bin aber doch zu der Überzeugung gekommen, dass weltweit die wichtigste und viel zu wenig angegangene Herausforderung die Entrechtung und der Missbrauch von Mädchen und Frauen ist.“

Globalisierung zerstört das Verhältnis der Geschlechter

Es gibt keinen Krieg, in dem der Krieg gegen die Frauen nicht eines der wesentlichen Elemente ist. Es gibt keine Herrschaft, die sich nicht wesentlich dadurch definiert, dass sie für sich die Verfügungsgewalt über Frauen einfordert. Sei es ganz real, als das Recht auf Vergewaltigung – „ius primae noctis“ – oder aber als das Recht, ihnen vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Der erste Artikel dieser Vorschriftenkataloge lautet stets: Das Weib sei dem Manne untertan.

Die Globalisierung zerstört weltweit überkommene Lebensweisen und damit fast immer auch das Verhältnis der Geschlechter. Man mag das in vielen Fällen begrüßen. So wird zum Beispiel die weibliche Genitalverstümmelung – in vielen Weltgegenden ein wichtiges Stück Durchsetzung männlicher Dominanz – mehr und mehr infrage gestellt. Aber es wäre ganz falsch, sich die Zerstörung der alten Milieus als ein Ereignis vorzustellen, an das sich die Errichtung neuer Milieus anschließt. Das ist eine entwicklungspolitische Illusion, die davon ausgeht, dass es Einrichtungen gibt, die diesen Übergang organisieren. In Wahrheit aber sind das chaotisch verlaufende Prozesse, in denen jeder versucht, durch treten nach unten sich oben zu halten. Kaum ein Unterdrückter, der nicht noch eine Frau findet, der gegenüber er wenigstens für ein paar Minuten zeigen kann, dass er der Herr ist.

Sexualität spielt dabei immer eine Rolle. Freilich nicht die, die wir Hippienachgeburten ihr zuschreiben. Diese Art von Sexualität ist engstens mit der Macht verbunden. Venus und Mars sind hier keine Gegensätze, sondern beide leben voneinander. Wer Passantinnen in den Schritt greift, der mag das für eine sexuelle Aktion halten. Das zeigt aber nur, wie unsexy Sex für ihn ist, und wie sexy Macht und Gewalt für ihn sind. Eine Macht und Gewalt, zu der gehört, dass sie als Gruppe ausgeübt und angetan wird. Die Gemeinschaft der Krieger ist eine der Vergewaltiger. Zu einem Überfall gehört die Vergewaltigung. Das gilt nicht nur für indische und afrikanische Dörfer, das steht auch in den Annalen der römischen Geschichte. „Der Raub der Sabinerinnen“ ist ein großes Thema vor allem der Barockmalerei.

Kein Staus quo ist sicher

Ebenfalls 2014 veröffentlichte die Journalistin Maria von Welser „Wo Frauen nichts wert sind – Vom weltweiten Terror gegen Mädchen und Frauen“. Sie schreibt darin: „Bis heute werden täglich Tausende Frauen überall auf der Welt vergewaltigt und gefoltert. Sie werden verbrannt und gesteinigt. Ihre Genitalien werden verstümmelt, ihre weiblichen Föten abgetrieben oder ihre Töchter bei der Geburt ausgesetzt. Tagtäglich sterben mehr Mädchen und Frauen an den Folgen geschlechtsspezifischer Diskriminierung und Gewalt als an anderen Menschenrechtsverletzungen.“ Maria von Welser war in Afghanistan, in Indien, im Kongo und in Bosnien. Sie hat dort mit Opfern der Gewalt gesprochen. Sie hat sich ein Bild gemacht von der systematischen Ausrottung der Frau und des Weiblichen in der Welt.

Das hat doch mit dem, was bei uns geschieht, mit den schrecklichen Formen häuslicher Gewalt, mit den Diskriminierungen und Beschimpfungen, ja selbst mit den Ereignissen in Köln und Hamburg nichts zu tun? Das ist nicht richtig. Es hat ein Vierteljahrhundert gedauert von der ersten Einrichtung eines Hauses für geschlagene Frauen durch die autonome Frauenbewegung 1976 in Berlin bis zum Gewaltschutzgesetz von 2002, das Gewalttätern den Zugang zur gemeinsamen Wohnung verwehrt. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass keine Errungenschaft, kein gesellschaftlicher Konsens, kein Gesetz eine sichere Grundlage ist. Kein Status quo ist sicher. Um alles muss immer wieder neu gestritten werden.

Es wäre ein Verbrechen, wir würden, was das Verhältnis der Geschlechter anginge, auch nur auf den Stand von 1989 zurückfallen. Aber es wird nicht an Versuchen fehlen, eine Welt einzurichten, die Frauen den Männern wieder stärker unterordnet. Je prekärer die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse sind, desto lauter werden sich diese Stimmen wieder melden.

Wir müssen sehr genau hinschauen

Silvesternächte und ihre Feuerwerke werden immer wieder gerne als Bürgerkriege inszeniert, Massenaufläufe ziehen Diebe und andere Straftäter an. Sexuelle Belästigungen spielen dabei immer wieder eine große Rolle. So explosiv wie bei der vergangenen Jahreswende aber haben sich diese Elemente in Köln wohl lange nicht mehr verbunden. Liest man die Berichte, hört man die Augenzeugen, bekommt man das Gefühl, dass dort so etwas stattfand wie ein Pogrom.

Er brach ab, bevor es zu Leichen, Verwundeten und Schwerverletzten kam. Aber, so kann man den Polizeiberichten jetzt entnehmen, es fehlte nicht viel. Der dünne Schutzfilm Zivilisation reißt immer öfter an immer mehr Stellen. Wie viele Anschläge auf Asylbewerberheime gab es in der Silvesternacht? Wie viele Einsätze hatte die Polizei, um gegen häusliche Gewalt vorzugehen? Wie viele Schlägereien mit diesem oder jenem Hintergrund gab es in jener Nacht?

Wir wissen das nicht. Wir fragen selten danach. Wir fürchten, uns das ganze Bild vor Augen zu halten. Wir möchten schließlich in einem Land leben, das sich kümmert um Flüchtlinge, das darauf achtet, dass niemand ins Nichts fällt. Dann sehen wir, wie die einen systematisch gegen die anderen vorgehen, wie sehr sie ihren Stolz aus der Vernichtung der anderen gewinnen, und mit einem Mal haben wir Angst.

Es ist die Angst, die wir fühlten, wenn wir die Bilder eines Mobs sahen, der Flüchtlingsheime anzündete. Es ist die Angst, die wir empfanden bei der Betrachtung der Bilder aus dem Kongo. Diese Angst wird genährt vom Gefühl der Hilflosigkeit. Ein paar fest entschlossene Verbrecher können unser hübsches Gehäuse zerschlagen. Ein paar Leute, die nichts im Kopf haben, als einige Augenblicke lang sich mächtig zu fühlen, indem sie anderen Angst einjagen, zeigen uns, wie brüchig die Schale ist, die uns schützt vor dem Chaos.

Was immer passierte in der Silvesternacht auf dem Kölner Bahnhofsvorplatz passierte, was immer an krimineller Energie, an Testosteron, an Frauenverachtung, an Lust an der Gewalt und an Alkohol zusammenkam, wir müssen hingucken. Sehr genau hingucken. Wir werden die Angst vor diesen Bildern nur bezwingen, wenn wir sie anschauen. Genau und immer wieder. Und immer mit dem Wissen darum, dass in dem Moment, da wir das tun, ganz Ähnliches, Schlimmeres auch, sich an zig Orten in der Welt abspielt. Wir müssen daran denken, dass wir, wenn wir gegen die Gewalttäter am Kölner Hauptbahnhof vorgehen, wir zeigen, dass wir nicht hilflos sind, dass die Gewalt, so gerne sie es auch hätte, nicht das letzte Wort hat.